Wer sich mit Innovation in Unternehmen beschäftigt, stößt früher oder später auf Design Thinking.

Design Thinking ist eine Vorgehensweise, mit der Teams schnell und fokussiert Lösungen für ein spezifisches Problem entwickeln. In einem Workshop führen die Teammitglieder ihre Erfahrung, ihr Vorwissen und ihre Kreativität strukturiert mit den Anforderungen der Aufgabenstellung zusammen. Mit Hilfe verschiedener Methoden erarbeiten sie in wenigen Stunden oder Tagen brauchbare, marktfähige Ergebnisse.

Design Thinking wird zum Beispiel bei diesen Aufgabenstellungen eingesetzt:

  • Ein neues Produkt soll bei einer bestimmten Zielgruppe eingeführt werden.
  • Ein bestehendes Produkt soll überarbeitet werden, um höhere Verkaufszahlen zu erzielen.
  • Ein altes Produkt soll abgeschafft werden (z.B. Print-Produktkatalog) und in eine zeitgemäße neue Lösung übergehen.
  • Verschiedene Trend-Aspekte wie z.B. mobile Internetnutzung und Augmented Reality sollen zu einer neuen Lösung verbunden werden.
  • Ein bestehendes Problem soll mit neuer Technologie und neuen Ideen gelöst werden, z.B. die Schulung von Außendienstmitarbeitern während der Reisezeit.
Design Thinking Prozess

Der Design Thinking Prozess widmet sich anfangs sehr intensiv der Fragestellung: Was ist das Problem? In den ersten drei Phasen

  • Verstehen
  • Beobachten und
  • Sichtweise definieren

setzt sich das Team zunächst intensiv mit der Aufgabenstellung auseinander.

Im zweiten Teil geht es um die Frage: Wie lösen wir das Problem? In den folgenden Phasen

  • Ideen finden
  • Prototypen entwickeln
  • Testen

geht es darum, konkrete Lösungen zu erarbeiten und bereits brauchbare Erkenntnisse über die Anwendbarkeit zu gewinnen.

Wer Design Thinking verstehen und anwenden will, sollte diese 6 Grundregeln kennen:

1 Interdisziplinäres Team: Geballtes Wissen gibt geballte Kraft

Jeder im Unternehmen hat aufgrund seiner Rolle und Aufgaben eine andere Sicht auf die eigenen Produkte, Leistungen und deren Besonderheiten. Der Grundgedanke im Design Thinking ist, möglichst diejenigen Menschen zu einem Team zusammenzusetzen, die Expertise aus allen erforderlichen Bereichen einbringen: Strategie (z.B. Gründer, Unternehmensführung), Markt (z.B. Vertriebsmitarbeiter), Kunden (z.B. Servicepersonal), Technik (z.B. Entwickler, Ingenieure), etc. Die Diversität und Heterogenität bringt verschiedene Sichtweisen an einen Tisch. Das ist nicht immer einfach, aber immer Erfolg versprechend, denn es verhindert unrealistische Alleingänge.

2 Das Problem verstehen: In die Tiefe gehen

„Wir müssen mehr Käufer für unsere Produktlinie XY finden!“, lautet beispielsweise die Anforderung an ein Team. Die Teammitglieder krempeln die Ärmel hoch und brainstormen Lösungen und Maßnahmen, was das Zeug hält. Doch nach den ersten naheliegenden Assoziationen gehen schnell die Ideen aus.

Kommt Ihnen das bekannt vor?

Dann sollten Sie künfig Design Thinking einsetzen. Denn hier geht das Team erstmal an die Wurzel des Problems und schafft über Fragetechniken ein tiefes Verständnis der Ausgangslage, des Problems und aller zu berücksichtigenden Faktoren. Sehr ausgiebig versucht das Team alles, wirklich alles Erreichbare über die Aufgabenstellung zu erfahren. Schritt für Schritt führt dieses Vorgehen zu einem hervorragenden Fundament auf dem die später entwickelten Ideen folgerichtig, schlüssig und zielorientiert aufbauen.

In diesem Vorgehen liegt in meinen Augen der Grund, warum der Design Thinking Prozess zu so herausragend guten, passgenauen Lösungen führt.

Merke: Wer das Problem verstanden hat, ist der Lösung dicht auf der Spur.

3 Mit der Brille der Anwender: Den Nutzer ins Zentrum stellen

Design Thinking stellt in jeder Phase den Nutzer und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt. Wenn Unternehmen erfolgreich sein wollen, müssen sie das Leben ihrer Anwender besser machen. Eigentlich stellt das keiner in Frage. Doch die Schwierigkeit liegt in der Umsetzung. Nutzerbefragungen sind aufwändig und teuer. Und das größte Problem ist: Der Kunde kann selbst nicht verlässlich Auskunft darüber geben, wofür er sein Geld vielleicht mal ausgeben wird. Da hilft es, wenn man einen Prototypen hat, anhand dessen man testen kann, wie der Kunde reagiert. Im Design Thinking erstellt man sofort in kürzester Zeit testbare Prototypen, lädt potenzielle Anwender zum Test ein und erhält sofort Ergebnisse, die wiederum in die Verbesserung der Lösung fließen.

4 Visualisieren und dokumentieren: Der Raum wird zum Gedächtnis

Im Design Thinking Prozess nähert man sich Schritt für Schritt der besten Lösung. Dabei ist es wichtig, dass im Laufe des Workshops keine Ideen, Gedanken und wichtigen Aspekte verloren gehen. Der Raum dient dabei als erweitertes Gedächtnis: Alles wird auf den Punkt gebracht, per Haftnotiz dokumentiert und strukturiert festgehalten. Auf Whiteboard, Flipchart, Stellwänden, Metaplanwänden, Fenstern und Türen entfalten sich alle Errungenschaften die das Team im Kreativprozess erarbeitet. Jeder bringt seine Ideen ein und kann zu jedem Zeitpunkt bereits gesammeltes aufgreifen und weiterentwickeln.

5 Schnell produzieren, Unpassendes verwerfen

Design Thinking ist ideal, wenn man kurzer Zeit Lösungen auf schwierige, herausfordernde oder bedeutende Fragestellungen finden muss. Denn Schnelligkeit hat mehrere Vorteile:

Wenn man schnell Lösungen entwickelt, hat man geringere Kosten. Das ist naheliegend. Die bewusst mit engen Zeitfenstern versehenen Schaffensprozesse im Design Thinking begünstigen, dass wir nicht lange grübeln, nicht lange Alternativen abwägen, sondern sofort Entscheidungen treffen.

Ein weiterer entscheidender Vorteil ist psychologischer Natur: Wenn wir uns lange mit einer Sache beschäftigen, wächst sie uns ans Herz. Das ist gefährlich, denn es kann sein, dass wir an ihr festhalten, selbst wenn wir einsehen, dass sie nicht ideal ist. Der Weg zurück wird mit der Zeit immer schwerer: Wenn man Monate oder gar Jahre an etwas entwickelt hat, ist es immens schwer einzugestehen, dass ein Produkt nicht funktioniert. Schließlich muss man auch rechtfertigen, warum man es nicht eher gemerkt hat.

Hat man hingegen nur wenige Stunden oder Tage in eine Sache gesteckt, ist man weniger befangen und kann sie leichter fallen lassen, um eine andere Variante weiterzuverfolgen. In Design Sprints durchläuft ein Team Innovationsprozesse inklusive Prototyping und Nutzertest in nur fünf Tagen. Jake Knapp von Google Ventures,  der Erfinder von Design Sprints, hat die Phasen in seinem Buch genau beschrieben. Aus seiner Sicht sind fünf Tage ideal. Länger braucht mehr Ressourcen, führt zu mehr Varianten aber nicht zu besseren Ergebnissen.

6 Die besten Ideen, nicht die größten Egos

Gruppenbrainstormings sind schrecklich. Die Personen im Raum mit dem größten Ego, häufig die hierarchisch höherstehenden, sind dabei am lautesten. Unnötig zu sagen, dass sie nicht zwingend die besten Ideen beisteuern.

Im Kreativprozess beim Design Thinking werden diese unproduktiven sozialen Mechanismen außer Kraft gesetzt. Es gibt keine Gruppenbrainstormings. Es geht um die Sache und jedes Workshop-Mitglied erhält das gleiche Forum für seinen Beitrag zur Lösung des Problems. Meine Erfahrung ist, dass die besten Ideen oft aus überraschenden Ansätzen erwachsen, beigesteuert von Personen, die in Gruppenbrainstormings nie zu Wort gekommen wären.


Ich habe vor Kurzem bei einem Medienunternehmen in München einen Design Thinking Workshop mit einer größeren Gruppe durchgeführt. Als Struktur des Workshops orientierte ich mich am Ablauf eines Design Sprints: Problem und Fragestellung ergründen, Ask the Experts, Lightning Demos, Kreativphase, Ausarbeitung (Prototype), Präsentation.

Die Ergebnisse haben nicht nur mich, sondern auch die Mitglieder der internen Jury begeistert. Jede Person im Team hat zur Lösung beigetragen. Die Idee, die am Schluss ausgewählt wurde, kommt in den kommenden Wochen zur tatsächlichen Umsetzung. Ich freue mich schon sehr darauf, das Ergebnis in ein paar Monaten zu erleben.

Was braucht man für einen erfolgreichen Design Thinking Workshop?

  • Ein Problem, das zielorientiert, folgerichtig und nutzerzentriert gelöst werden soll.
  • 4-8 Mitarbeiter*innen, die sich für die Dauer des Workshops freischaufeln können.
  • Einen Raum mit Whiteboards, Flipcharts etc., der für die Dauer des Workshops nicht anderweitig genutzt wird. Papier, Marker, Sticky Notes, Post-it, Haftnotizen, Punkt-Aufkleber, Material für den Prototypen-Bau
  • eine Trainerin oder Moderatorin, die den richtigen Prozess, die richtigen Methoden, Fingerspitzengefühl und eine Portion Souveränität und Improvisationstalent mitbringt.
  • Sie möchten ein dringendes Problem kreativ lösen?
  • Sie brauchen schnelle zielführende Ergebnisse?
  • Dann bringt Sie Design Thinking weiter.

Kontaktieren Sie mich für die Durchführung Ihres individuellen Design Thinking Workshops!

mail@katrinkuch.de 

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